3.7.08 - All the Boys Love Mandy Lane


The day ain’t over without a hard Dickins Cider

Na also, geht doch - zwar ist All The Boys Love Mandy Lane nicht die Offenbarung eines dahindarbenden Genres (denn dafür ist er wohl einfach nicht konsequent genug bis zuende gedacht), aber durchaus ein Lichtblick am düsteren Horizont der Teenie-Slasher-Filme unserer Zeit. Besonders gelungen daran ist, dass er sich zwar beinahe aller der Klischees des Genres bedient, diese dann aber auch gewitzt hinterfragt und die Probleme seiner Figuren zur eigentlichen Thematik des Films stilisiert: vordergründig mag er wie ein Slasher konzipiert sein, doch insgeheim nimmt er viel mehr Zeit damit in Anspruch, die Verhaltensmuster der Jugendlichen zu durchleuchten, als etwa damit, möglichst spektakuläre Todesszenen abzufeiern.

Die Hin- und Hergerissenheit zwischen der naiv, verspielten Jugendlichkeit und der herannahenden Erwachsenenwelt aus der Sicht eines amerikanischen Teenagers drückt sich, neben diversen eingestreuten Symbolen (am Tag nach der grossen Party gibt es bspw. eine kurze Einstellung, die eine Zahnspange direkt neben einem Kondom auf einem Nachttisch einfängt), vor allem in den zwei grundverschiedensten Charakteren des Films aus. In Mandy Lane, die sich aus allen, moralisch auch nur annähernd verwerflichen Dingen wie Sex, Alkohol und Drogen raushält, aber genau dafür von den Jungs auch besonders begehert wird, und in Chloe, das genaue Gegenteil von Mandy, der exhibitonistischen Draufgängerin die nichts unversucht lässt, aber dennoch nicht beim männlichen Geschlecht damit punkten kann. Chloe ist neben Mandy die heimliche zweite Hauptrolle des Films, in der sich die Kritik an einer oberflächlichen, von falschen Idealen geprägten Jugend wiederspiegelt, die der Film immer wieder zwischen den Zeilen thematisiert: Chloe ist nach aussen hin selbstbewusst, offensiv, draufgängerisch und soverän, doch in ihrem Inneren total verletzlich, unsicher, schüchtern und unzufrieden. Viele Szenen des Films widmen sich ausschliesslich damit, die Ambivalenz ihres Charakters zu unterstreichen: so z.B. als Ihr beim Schulsport ein Junge “I can see your nipples!” hinterherruft, worauf sie lediglich mit einem kühl abgeklärten “obviously” reagiert - oder die Szene in der Mädchenumkleidekabine, in der sie eine etwas fülligere Freundin als fett bezeichnet, da man Ihr neues Bauchnabelpiercing gar nicht richtig zu sehen bekäme. Später gibt es dann wiederum Szenen, die die verletzliche, unsichere Seite von Chloe herausarbeiten: dann etwa als sie kurz auf dem Zimmer verschwindet um sich umzuziehen, und sie dabei ihre aufgekleklebten Silikonkissen entfernt die wohl ihre kleine Oberweite kaschieren sollen - dabei steht sie für einen kurzen Moment mit nacktem Oberkörper verführerisch am Fenster, und sucht den anerkennenden Blick eines Jungen der gerade auf dem Weg zurück in das Haus ist. Als dieser jedoch schnell wieder seinen Blick senkt und damit Desinteresse signalisiert, fängt sie an ihrem Frust lautstark Ausdruck zu verleihen. Stets buhlt sie geradezu verzweifelt um Zuneigung, Anerkennung und Akzeptanz, indem sie z.B. auch die Magnetbuchstaben am Kühlschrank zu einem unmissverständlichen “Chloe is hot” arrangiert.

Gegen Ende kommt der Film dann zwar ein wenig von diesem fein säuberlich ausgestreuten Weg ab, um Platz für eine doch eher koventionelle Auflösung der Geschichte mitsamt eines fast schon obligatorischen Twists freizuräumen, doch der stimmige Eindruck der sich bis dahin aufgebaut hat lässt auch das nicht ganz so konsequente Ende durchaus verschmerzen. Über eine längere Zeit hinweg hat man einen technisch wie inhaltlich erfrischend andersartigen Genre-Beitrag gesehen, der durch seinen weitgehenden Verzicht auf neumodische Stilmittel, durch seine grobkörnigen Bilder und den steten Wechsel zwischen extremen Weitwinkel-Aufnahmen und Point-of-View Perspektiven an die Horror-/Terrorfilme der 70er Jahre erinnert, und mit seine durchaus gefühlvoll arrangierten, manchmal fast schon träumerisch abschweifenden Geschichte über emotionale Höhen und Tiefen im Teenageralter dem platt ausgewaltzten Genre sogar noch ein paar neue Facetten abringen kann. All the Boys love Mandy Lane betrachtet seine Figuren erfreulicherweise mal nicht nur als unterbelichtetes Kanonenfutter, streut zudem noch ein paar interessante selbstreflexive Ansätze mit ein (humorvoll auch, als die Clique Wahrheit oder Pflicht spielt, und sie mit “We agreed an r-rating, remember?” süffisant auf die in den USA stets kritisch beäugte Altersfreigabe verweist), und löst den schwierigen Balanceakt zwischen tiefgründig angehauchtem Teeniedrama und einem natürlich auch von seinen (dezenten) Oberflächenreizen lebenden Slasherfilm mit Bravour.

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